Beziehungskrisen bei Eltern: Warum Kinder in der Online-Paartherapie mitgedacht werden sollten und wie Eltern ihre Schuldgefühle überwinden

 

Sina sitzt am Küchentisch, die Kinder spielen im Wohnzimmer, während Robin das Abendessen zubereitet. Eigentlich wünscht sich Sina nichts mehr, als gemeinsam mit Robin zu sitzen und sich über das bevorstehende Wochenende auszutauschen – sich verbunden zu fühlen. Doch die Stimmung im Raum ist schwer. Robin vermeidet den Blickkontakt, spricht nur das Nötigste. Sina auch. Die Worte zwischen ihnen sind knapp, die Blicke ausweichend. Was früher selbstverständlich war, scheint nun unerreichbar – eine Leere breitet sich aus, und Sina fühlt sich einsam. Sie fragt sich, ob Robin sie noch wahrnimmt. Robin wiederum spürt eine tiefe Unsicherheit und Angst, von Sina nicht mehr verstanden zu werden. Es ist mehr als ein Missverständnis. Es ist eine Krise, die nicht nur ihre Beziehung betrifft, sondern auch die Kinder, die die unausgesprochenen Spannungen auch mitbekommen. Beide haben ihre emotionalen Bedürfnisse zurückgestellt, und die Mauer, die sich zwischen ihnen aufgebaut hat, wird für alle zu Hause immer sichtbarer.

 

 

Wenn die Partnerschaft ins Wanken gerät, stellt sich die Frage: Wie können Eltern an ihrer Beziehung arbeiten, ohne die Kinder zu belasten? Was können Eltern mit ihren Schulgefühlen tun? Und noch wichtiger: Wie können Eltern ihre Beziehungskrisen zu einer Chance für ihre Kinder machen?

 

Als Psychologin und (Online-) Paartherapeutin bin ich überzeugt, dass in einer Paartherapie eine wertvolle Gelegenheit liegt, sowohl die Partnerschaft zu stärken als auch das Wohl der Kinder zu fördern. In diesem Beitrag erfahrt ihr, warum es so wichtig ist, die Kinder in der Therapie mitzubedenken und wie Eltern ihre Schuldgefühle überwinden können.

 

Warum es so wichtig für uns ist, dass wir in unserer Liebesbeziehung glücklich sind

In Zeiten, in denen wir in der Kleinfamilie leben und besonders als Eltern, ist der Partner oder die Partnerin unsere wichtigste Stütze. Die Qualität unserer Liebesbeziehung trägt entscheidend zu unserem Wohlbefinden bei – oder zu unserem Kummer, wenn es in der Beziehung nicht gut läuft. Es ist eine große Sache, wenn der Mensch, mit dem wir unsere Freude und unseren Kummer teilen wollen – derjenige, von dem wir uns wünschen, dass er uns sieht und schätzt – unerreichbar wird.

 

Wie könnte es anders sein, als dass Partner*innen auf Beziehungsprobleme stark reagieren?

 

Beziehungskrisen bei Eltern betreffen auch die Kinder

Beziehungskrisen und die großen Gefühle, die damit verbunden sind, betreffen nicht nur das Paar, sondern auch die Kinder. Sie nehmen die Stimmungen direkt wahr und leben in dem Klima, das daraus entsteht. Ein Klima, in dem sich die Erwachsenen entweder fühlen – oder eben nicht.

 

Kinder wollen sich zu Hause sicher und wohlfühlen, und sie möchten, dass auch ihre Eltern sich zu Hause geborgen fühlen. Das macht Sinn, denn Kinder sind auf die Verfügbarkeit ihrer Bezugspersonen angewiesen - wenn es den Eltern gut geht, können Kinder sich in einer stabilen, sicheren Umgebung entwickeln.

 

Kinder spüren oft die Spannungen zwischen den Eltern, selbst wenn diese nicht offen ausgesprochen werden. Sie bekommen die emotionalen Signale ihrer Eltern mit – auch auf jene, die nicht direkt verbalisiert werden. Kinder nehmen die Mimik und Körpersprache der Erwachsenen intensiv wahr – sie spüren, wenn sich die Erwachsenen nicht mehr aufeinander freuen oder wenn sie mit Enttäuschung oder Ärger zu kämpfen haben.

 

Aus der Bindungsforschung wissen wir, dass Kinder durch das Klima zu Hause stark beeinflusst werden. Ihre emotionale Sicherheit orientiert sich an den Beziehungen, die sie zu ihren nahen Bezugspersonen haben. Wenn Eltern in einer Krise stecken, fühlen sich Kinder oft unsicher und erleben, dass die stabilen, sicheren Grundlagen, auf denen ihre Welt aufgebaut ist, ins Wanken geraten. Sie fragen sich: ‘Was ist bei uns zu Hause los?’ ‚Was bedeutet das für mich?‘ und manchmal auch: ‘Liegt es an mir?’

Kein Wunder, denn einer der Hauptgründe für Streit – das zeigt auch die Forschung – sind Themen, die direkt die Kinder betreffen. Diese Unsicherheit kann Ängste und Verunsicherung hervorrufen.

 

Wenn die Eltern emotional belastet sind, kann es passieren, dass sie aufgrund ihrer eigenen Sorgen nicht mehr die Aufmerksamkeit und Sicherheit bieten können, die sie sonst ihren Kindern geben.

 

Schuldgefühle von Eltern können Beziehungsprobleme von Eltern weiter verstärken

 

Eltern sind sich dessen sehr wohl bewusst: Alle Eltern möchten für ihre Kinder ein gutes Vorbild sein und ihnen zeigen, wie haltgebende Liebe zwischen Erwachsenen aussieht. Paare, die in einer Beziehungskrise stecken, haben oft mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Zu den häufigsten Fragen, mir Eltern in meiner Online-Praxis stellen, gehört: ‚Was sagen wir den Kindern?‘ und ‚Wie können wir sie vor hitzigem Streit und kaltem Schweigen schützen?‘

 

Eltern fragen sich oft, ob sie mit ihrer Beziehung die Kinder belasten oder gar traumatisieren. Diese Gedanken können erdrückend wirken, vor allem, wenn das Gefühl aufkommt, versagt zu haben. Die Kunst ist nun, dass es gelingt, die Schuldgefühle als wichtige Signalgeber zu interpretieren und sie als Anstoß zu nutzen, die Situation zu Hause zu verändern.

 

Wie Eltern ihre Schuldgefühle überwinden können

 

Schuldgefühle haben also einen Sinn: Sie wollen uns darauf hinweisen, dass wir etwas wieder ins Gleichgewicht bringen sollten. Und das macht auch Sinn, besonders wenn wir als Paar ständig streiten oder uns immer wieder anschweigen. Und dann ist eine wichtige Frage: Was sollten Eltern tun, wenn sie bemerken, dass auch die Kinder spüren, dass es als Paar gerade schwierig ist? Genau hier setze ich an und biete konkrete Hilfestellung an. Ich zeige Eltern, wie sie auf eine klare und zugleich feinfühlige Weise mit ihren Kindern sprechen können und sie an ihrer eigenen Entwicklung als Paar teilhaben lassen können.

 

Eine schöne Metapher ist die des „Drehbuchs des Lebens“. Sie erinnert uns daran, dass wir selbst die Autor*innen unseres Lebens und unserer Beziehung sind. Wir sind nicht einfach passiv den äußeren Umständen oder gesellschaftlichen Erwartungen ausgeliefert – wir können unser Leben aktiv gestalten und auch in der Beziehung kreative Wege finden, um Schwierigkeiten zu überwinden.

 

Indem Eltern ihre Schuldgefühle loslassen, können sie beginnen, ihre Kinder nicht als Opfer der Beziehungskrise zu sehen, sondern als Teil eines gemeinsamen Prozesses. Kinder reagieren positiv auf Sicherheit und Stabilität. Wenn Eltern ihre Beziehung wieder ins Gleichgewicht bringen, erleben die Kinder ein liebevolleres und stabileres Umfeld, das ihnen hilft, ihre eigene emotionale Resilienz zu entwickeln.

 

Bindungsorientierte (Online-) Paartherapie mit Blick auf die Kinder

In der Praxis liegt mein Fokus auf einem bindungsorientierten Ansatz, der darauf abzielt, eine sichere und vertrauensvolle Bindung zwischen den Partner*innen wiederherzustellen. Eine starke Basis ermöglicht es, dass Paare sich miteinander wohlfühlen, der Alltag mehr Freude bereitet und gemeinsam Lösungen für auftretende Probleme gefunden werden können.

 

Auch wenn meine (Online-) Paartherapie das Paar betrifft, profitieren die Kinder von den positiven Veränderungen in der Beziehung. Ohne direkt an den Gesprächen teilzunehmen, lernen sie durch die Entwicklung ihrer Eltern, was eine liebevolle und sichere Beziehung ausmacht – und das wirkt sich langfristig positiv auf ihre eigene Entwicklung aus.

 

Das „Paartherapie-Mitmach-Buch“, speziell für Familien entwickelt, bildet das Herzstück der (Online-) Paartherapie in meiner Praxis. Es begleitet das Paar durch den gesamten Prozess, hilft dabei, Gespräche vorzubereiten und nachzubereiten und bietet konkrete, alltagsgerechte Tools, die zuhause angewendet werden können. Auf den „Kinderseiten“ erfahren auch die Kinder, was sie tun können, wenn Streit sie belastet, und wie sie die Veränderungen in der Beziehung ihrer Eltern besser verstehen. So wird ihre eigene Beziehungsfähigkeit gestärkt und ihre emotionale Entwicklung unterstützt.

 

Da der Familienalltag oft wenig Raum für feste Termine lässt, sind die Gespräche flexibel geplant und werden durch digitale sowie analoge Materialien ergänzt. Diese sind leicht in den Alltag zu integrieren. Zudem ist es möglich, zwischen den Terminen Unterstützung zu erhalten, falls Fragen oder Unsicherheiten auftauchen. So wird sichergestellt, dass die Paartherapie trotz eines vollen Terminkalenders und Kinderbetreuung effektiv fortgeführt werden kann.



Bindungsorientierte Paartherapie online und Paartherapie in Darmstadt für Paare mit Kindern

 

Ich bin Julia Schneider und begleite als Psychologin und Paartherapeutin Eltern auf ihrem Weg in eine haltgebende Beziehung. Mein Ansatz verbindet (Online-) Paartherapie mit einem besonderen Blick auf die kindliche Entwicklung: Kinder lernen bei jedem Schritt der Eltern, wie Liebe gelingt – ohne an den Terminen teilzunehmen und ohne von Erwachsenenthemen überfordert zu werden. Ich zeige Eltern, wie das geht.

 

Wenn ihr nach „Paartherapie in der Nähe“ oder einer flexiblen Online-Paartherapie sucht, seid ihr bei mir richtig. Meine Praxis für Paartherapie in Darmstadt ist digitalisiert, und ich begleite Paare deutschlandweit.

 

Basierend auf meinen Erfahrungen als Psychologin und Mama von zwei Kindern entwickle ich psychologische Kinderbücher, die Familien stärken können. Denn im Land der Fantasie wachsen wir über uns hinaus.