Jedes Paar hat eine Geschichte: Warum ich Eltern begleite, die in herausfordernden Zeiten ihre Liebe bewahren möchten

Ich bin Julia Schneider, Psychologin und Paartherapeutin für Eltern in herausfordernden Zeiten. Hier geht es darum, wie Beziehungen zu einem sicheren Zuhause für Paare und ihre Kinder werden können. Mehr über mich.

Jede Paarbegleitung beginnt mit einem ersten Termin.

Zwei Menschen nehmen Platz.

Noch bevor wir beginnen, miteinander zu sprechen, ist schon eine Geschichte im Raum.

Manchmal sitzen zwei Menschen vor mir, die sich noch immer lieben – sehr sogar. Und trotzdem finden sie nicht mehr zueinander.

Viele Elternpaare kommen nicht in meine Praxis, weil sie sich trennen möchten. Sie haben sich einmal ganz bewusst dafür entschieden, gemeinsam Familie zu werden. Und wenn sie sich für eine Paartherapie entscheiden, wünschen sie sich meist noch immer, miteinander einen guten Weg zu finden.

Doch manchmal reicht dieser Wunsch allein nicht aus.

Nicht, weil sich nicht bemüht hätte. Sondern weil das Leben vieles durcheinandergebracht hat.

Die Wellen des Lebens können so hoch werden, dass Paare sich aus dem Blick verlieren. Weil jeder Mensch auf seine eigene Weise versucht, durch die Herausforderungen zu navigieren.

Was Paare im Alltag voneinander trennt, ist oft nicht nur der Streit.

Es sind Missverständnisse, Verletzungen und Vorwürfe. Das Gefühl, nicht mehr gehört oder gesehen zu werden.

Der Kummer darüber kostet Kraft, macht Angst und hinterlässt häufig ein schlechtes Gewissen – besonders den Kindern gegenüber.

Doch die meisten Paare bringen nicht nur ihren Streit oder das Schweigen mit in die Paartherapie.

Sie bringen ihr Leben mit.

Und genau das ist wichtig.

Die Geschichte der Beziehungskrise

Selten kommen Eltern wegen einer einzelnen Krise. Sie bringen ihre Geschichte mit.

Manchmal ist es die Geschichte eines langen Kinderwunsches oder einer Kinderwunschbehandlung, in der Hoffnung und Enttäuschung sich immer wieder abgewechselt haben.

Oder die Geschichte einer Schwangerschaft, die anders verlief als erhofft. Manchmal verbunden mit dem Abschied von einem Sternenkind.

Manche Paare tragen die Erfahrung, dass ihr Frühchen sich zu bald auf den Weg gemacht hat – Wochen zwischen Hoffen und Bangen auf der Neonatologie.

Manchmal sind es Diagnosen, die das Leben von einem Tag auf den anderen verändern.

Oft sind es Geschichten von schlaflosen Nächten. Von Angst und Erschöpfung. Von Entscheidungen, die niemand treffen möchte.

Und manchmal tragen Paare auch Geschichten mit sich, die lange vor ihrer Beziehung begonnen haben. Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Wunde Punkte und alte Verletzungen, die deutlich spürbar werden, seit sie selbst Mutter oder Vater geworden sind.

Und da ist oft auch die tiefe Sehnsucht, den eigenen Kindern etwas geben zu können, das sie selbst vielleicht vermisst haben.

Worte, die Kindern Sicherheit geben

Manchmal entsteht daraus eine weitere wichtige Frage: Wie erzählen wir unseren Kindern von unseren Herausforderungen?

Kinder spüren, wenn etwas schwer war. Sie spüren Spannungen, Veränderungen und Dinge, über die vielleicht nicht gesprochen wird. Und manchmal kann unser gut gemeinter Versuch, sie nicht zu belasten selbst zu einer Belastung für sie werden. Denn Kinder brauchen Worte, die ihnen helfen zu verstehen: Was zwischen Mama und Papa passiert, ist nicht ihre Verantwortung.

In meiner Arbeit begleite ich Eltern manchmal dabei, eine Sprache für das zu finden, was ihre Familie erlebt hat: Worte, die weder beschönigen noch überfordern. Worte, die einordnen und Sicherheit geben.

Zum Beispiel für Eltern, die häufig vor ihren Kindern streiten:

„Mama und Papa haben manchmal viele Gefühle, wenn wir uns missverstehen. Das liegt nicht daran, dass wir uns nicht liebhaben. Im Gegenteil: Wir sind uns wichtig und wünschen uns, dass es zwischen uns gut ist. Manchmal zieht Papa sich zurück, wenn es ihm zu viel wird, weil er schwierige Dinge erst einmal mit sich alleine ausmacht. Mama wird manchmal lauter, wenn sie sich nicht gesehen fühlt. Wir lernen gerade, besser damit umzugehen. Das ist eine Sache zwischen Mama und Papa. Ihr müsst nichts dazutun. Ihr dürft einfach Kinder sein: lachen, spielen und träumen.“

Oder für Eltern, die ein Sternenkind in ihrer Familiengeschichte tragen:

„Bevor du zu uns gekommen bist, gab es ein Kind, das zu unserer Familie gehört. Wir haben uns sehr darauf gefreut und es lieb gehabt, auch wenn wir es nicht lange bei uns haben durften. Es hat einen Platz in unserer Familie. Wir waren traurig, weil wir Abschied nehmen mussten. Und gleichzeitig haben wir uns so gefreut dich kennenzulernen. Du musst nichts ersetzen. Das geht auch gar nicht, denn du bist toll ganz genau so wie du bist.“

Eine Familiengeschichte darf Schweres enthalten und sie darf ehrlich sein. Und sie darf gleichzeitig vermitteln: Du gehörst dazu. Du bist sicher. Du musst nichts tragen, was zu den Erwachsenen gehört.

Elternschaft ist eine der größten Herausforderungen des Lebens

Elternschaft berührt etwas sehr Grundsätzliches in uns. Sie bringt nicht nur Liebe hervor. Sie bringt auch unsere empfindlichen Stellen und alte Erfahrungen ans Licht.

Sie zeigt, wie eng Freude und Erschöpfung, Stärke und Ohnmacht, das Bedürfnis nach Nähe und Freiraum manchmal nebeneinander bestehen können.

Deshalb lautet die Frage, mit der Eltern zu mir kommen, oft nicht nur: „Wie lösen wir unseren Streit?“

Sondern: „Wie können wir verbunden bleiben, obwohl das Leben so viel von uns verlangt?“

Genau dort beginnt meine Arbeit.

Warum ich Elternpaare in der Paartherapie begleite

Seit vielen Jahren begleite ich als Psychologin und Paartherapeutin in der bindungsbasierte Paartherapie (BPE) für Eltern.

Ich begleite Paare mit Kindern, weil sie eine der anspruchsvollsten Aufgaben übernehmen. Eltern begleiten ihre Kinder durch die verletzlichsten und prägendsten Phasen ihres Lebens, während sie gleichzeitig versuchen, den Familienalltag zu tragen und all den Anforderungen gerecht zu werden.

Und weil ihre Beziehung niemals nur ihre eigene Geschichte ist.

Kinder wachsen nicht nur in einem Zuhause auf, sie wachsen im Klima der Beziehung ihrer Eltern auf. Sie spüren, welche Winde dort wehen: angenehm-sanfte Brisen, starke Stürme und alles dazwischen. Sie erleben, wie Erwachsene miteinander sprechen. Wie sie streiten. Wie sie Verantwortung übernehmen. Ob sie nach Verletzungen wieder aufeinander zugehen. Ob sie beieinander Trost finden. Und wie sie einander ansehen.

Aus all diesen Erfahrungen entsteht nach und nach eine Vorstellung davon, was Liebe bedeuten kann.

Dabei brauchen Kinder keineswegs, dass ihre Eltern als Liebespaar alles richtig machen. Sie brauchen Eltern, die bereit sind, sich ihrer Beziehung zuzuwenden und sie zu einer Priorität zu machen. Eltern, die vorleben, dass Uneinstimmigkeit und Missverständnisse nicht das Ende einer Beziehung bedeuten müssen, sondern eine Einladung sein können, einander besser zu verstehen und daran zu wachsen. Denn auch Liebe entsteht nicht dadurch, dass nie etwas schiefläuft. Sondern dadurch, dass Menschen einander immer tiefer kennenlernen – auch in den Momenten, in denen sie sich verfehlen.

Dass sie lernen, sich selbst und den anderen besser zu verstehen, nach Verletzungen wieder aufeinander zuzugehen und Vertrauen wachsen zu lassen.

Wie lernt ein Mensch Liebe?

Ich glaube, dass die Arbeit, die wir wählen, selten nur Zufall ist. Oft führt uns unser eigener Lebensweg zu den Fragen, die uns später in unserer Arbeit begleiten. Bei mir ist das nicht anders.

Ich durfte eine ganze Kindheit lang und darüber hinaus erleben, wie zwei Menschen miteinander glücklich sein können. Meine Eltern standen einander in leichten Zeiten ebenso zur Seite wie in den schweren. Auch dann, als Krankheit ihren Weg veränderte und ihre gemeinsame Geschichte ein anderes Ende nahm, als sie es sich erhofft hatten.

Ihre Beziehung wurde für mich zu einem inneren Kompass.

Und gleichzeitig habe ich erfahren: Ein gutes Vorbild allein genügt nicht. Liebe zu sehen bedeutet nicht automatisch, sie selbst leben zu können. Auch ich musste mich aufmachen, meinen eigenen Weg zu finden. Einen Weg, der auch durch Scheitern, durch Ängste und durch die Momente führte, in denen ich neu lernen durfte, mir selbst und anderen zu begegnen.

Die Frage, die viele Menschen in meine Praxis führt, begleitet auch mich:

Wie lernt ein Mensch Liebe?

In meiner Arbeit geht es nicht nur um Kommunikation, Konflikte oder Verletzungen. Es geht auch um die Geschichten dahinter. Wenn Paare beginnen, ihre gemeinsame Geschichte mit neuen Augen zu betrachten, verändert sich oft etwas Wesentliches: Aus Vorwürfen kann Verständnis entstehen. Aus Einsamkeit kann wieder Verbundenheit wachsen. Aus einzelnen Erlebnissen kann eine neue Perspektive entstehen.

Mein integrativer Ansatz in der familienorientierten Paartherapie

Veränderung entsteht nicht allein durch Erkenntnis. Wir alle brauchen Orientierung, Wissen und manchmal konkrete Werkzeuge, um neue emotionale Erfahrungen miteinander machen zu können.

Dafür wiederum braucht es ein breites Verständnis dafür, wie Beziehungen entstehen, wie Bindung geprägt wird und wie Menschen wieder mehr Sicherheit und Verbindung miteinander erleben können. Meine Begleitung basiert deshalb nicht auf nur einer therapeutischen Perspektive.

Ich verbinde unterschiedliche wissenschaftlich fundierte Perspektiven miteinander: systemische Paar- und Familientherapie, emotionsfokussierte Paartherapie, körperorientierte Traumatherapie, narrative Therapie und psychologische Forschung.

So kann ich Menschen nicht nur in ihren Konflikten begleiten, sondern in ihrer ganzen Geschichte – mit dem, was sie geprägt hat, was sie heute bewegt und was sich verändern darf.

Denn Veränderung beginnt oft dort, wo Menschen nicht mehr gegeneinander kämpfen müssen, sondern verstehen lernen, was sie einander eigentlich zeigen möchten.

Mein Halthafen ist kein Ort, an dem das Leben ruhig bleiben muss. Er ist ein Ort, an dem Paare anlegen können, Halt finden, Orientierung gewinnen und wieder Verbindung spüren dürfen.

Das wünsche ich den Eltern, die ich begleite: Dass ihre Beziehung nach und nach zu einem sicheren Hafen werden darf. Nicht, weil sie niemals streiten. Nicht, weil ihr Leben leicht ist. Sondern weil sie lernen, auch in schwierigen Zeiten miteinander verbunden zu bleiben.

Weniger Streit und mehr Verbindung im Familienalltag

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