
Trennungsängste bei Kindern: Die Herausforderungen für Elternpaare
Viele Paare spüren in den ersten Jahren der Elternschaft sehr genau: Unsere Beziehung braucht Aufmerksamkeit. Zeit füreinander – ohne Ablenkung, ohne Kinderstimmen im Hintergrund, ohne nebenbei noch den Familienalltag zu organisieren.
Und gleichzeitig brauchen Kinder ihre Eltern. Besonders dann, wenn jungen Kindern Trennungen schwerfallen und sie stark darauf reagieren, wenn Mama oder Papa nicht da sind. Wenn Abschiede vielleicht auch Angst machen und die Nähe zu den engsten Bezugspersonen sehr wichtig ist.
Dann entsteht ein Spannungsfeld, das viele Elternpaare kennen und vielleicht kennt ihr das auch: Sie möchten etwas für eure Beziehung tun. Und gleichzeitig möchten sie ihre Kinder nicht belasten. Beides macht Sinn.
Viele Paare denken auch an Paartherapie, schieben ihn aber vor sich her. Nicht, weil ihnen ihre Beziehung nicht wichtig wäre, sondern weil sie sich fragen:
Wie können wir uns als Paar wieder näherkommen, ohne dass unser Kind dafür eine Trennung aushalten muss, die ihm gerade noch schwerfällt?
Gerade für Paare mit trennungssensiblen Kindern kann eine Online-Paartherapie dabei ein wertvoller Weg sein. Sie schafft einen geschützten Raum für euch als Paar – und ermöglicht gleichzeitig, dass ihr dort bleiben könnt, wo euer Kind Sicherheit erlebt: zu Hause.
In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, wie Online-Paartherapie Paare unterstützen kann, während Kinder in ihrem sicheren Hafen bleiben können.
Es gibt ein Sowohl-als-auch: Eltern dürfen sich als Paar nah sein – und Kinder dürfen sich sicher fühlen.
Paartherapie, wenn die Kinder noch klein sind – manchmal eine Herausforderung
Wenn Kinder noch klein sind, verändert sich auch der Blick auf die Paarbeziehung. Als Eltern möchten wir uns als Paar verbunden fühlen und gleichzeitig dafür sorgen, dass unsere Kinder sich sicher und geborgen fühlen.
In Beziehungen von Eltern spielt auch die Verantwortung eine Rolle, den Kindern Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Gerade wenn Kinder auf Trennungen von ihren Eltern sehr feinfühlig reagieren, fällt es oft schwer, sich als Paar die nötige Zeit zu nehmen – insbesondere für eine Paartherapie, die andernorts stattfinden würde.
Vorteile der Online-Paartherapie für Familien mit trennungsängstlichen Kindern
Als Paartherapeutin und Psychologin interessiert mich, wie beides gelingen kann: dass Eltern als Paar verbunden bleiben können und Kinder sich sicher und gesehen fühlen. Denn Familie ist kein Entweder-oder. Es darf ein Sowohl-als-auch geben. Wenn die Ängste und Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt werden, kann meiner Erfahrung nach langfristig und am nachhaltigsten Stabilität in der Familie entstehen.
Die klassische Paartherapie bedeutet meist, dass Eltern die Gespräche außer Haus führen müssen, was trennungssensible Kinder oft herausfordert.
Uns stehen heutzutage so viele moderne Möglichkeiten in der Therapie zur Verfügung und Online-Paartherapie ermöglicht es Eltern, ihre Partnerschaft zu betrachten und die Verbindung zu festigen – direkt von zu Hause aus, wo die Kinder in der Nähe sein können und Trennungen kürzer ausfallen, weil Eltern keine Anfahrtswege bewältigen müssen. So können Eltern an ihrer Beziehung arbeiten und zugleich ein Gefühl der Sicherheit für ihr trennungssensibles Kind schaffen. Viele Eltern, die ich in meiner Online-Praxis für Paartherapie kennenlerne, nutzen auch paartherapeutische Online-Gespräche am Wochenende, so dass eine vertraute Person wie z.B. die Oma, der Opa, eine liebe Nachbarin oder ein engagierter Babysitter im Nebenzimmer für die Kinder da sein kann.
Spannungen zwischen Eltern spüren Kinder besonders fein
Wo Menschen miteinander leben und sich emotional nah sind, bleiben Spannungen nicht aus. Kinder nehmen wahr, wenn zwischen ihren Eltern etwas in Bewegung ist – manchmal lange, bevor Worte dafür gefunden sind.
Gerade im Familienalltag kann es passieren, dass ungelöste Themen von Elternpaaren viel Raum einnehmen. Gedanken kreisen um Verletzungen, Enttäuschungen oder den nächsten Streit. Die eigene Aufmerksamkeit ist dann stärker bei der Paarbeziehung – und manchmal bleibt weniger innere Kraft für die feinen Signale der Kinder: für ihre Fragen, ihre Gefühle oder das, was sie gerade brauchen.
Kinder müssen dabei nicht jeden Streit miterleben, um zu spüren, dass etwas zwischen den Eltern anders ist. Besonders Kinder, die sehr fein auf Veränderungen und Trennungen reagieren, können solche Spannungen intensiv wahrnehmen.
Das bedeutet nicht, dass Eltern ihre Konflikte vor ihren Kindern verbergen oder immer harmonisch sein müssen. Konflikte und Reibung sind normaler und notwendiger Teil von Beziehungen. Entscheidend ist vielmehr, wie Eltern mit ihnen umgehen und ob es nach schwierigen Momenten wieder Verbindung, Orientierung und Sicherheit gibt.
Besonders herausfordernd kann es werden, wenn sich Konflikte immer wieder um die Kinder drehen – etwa um Erziehung, Grenzen, Nähe oder unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein Kind gerade braucht. Gerade dann kann es hilfreich sein, die Paarbeziehung wieder in den Blick zu nehmen und einen gemeinsamen Weg zu finden.
Denn auch im Familienleben geht es nicht um ein Entweder-oder. Die Paarbeziehung darf Raum bekommen und gleichzeitig dürfen die Bedürfnisse der Kinder ihren Platz haben.
Deshalb möchte ich Eltern ermutigen, ihre Paarbeziehung nicht dauerhaft hintenanzustellen, sondern gemeinsam nach Wegen zu suchen, die beides möglich machen: die Verbindung als Paar zu stärken und dem Kind Sicherheit zu geben. Denn auch für Kinder ist es wohltuend, wenn sie erleben, dass ihre Eltern nicht nur für sie da sind, sondern auch gut aufeinander achten.
Psychologische Kinderbücher als Brücke zwischen Paartherapie und Familienalltag
Ich selbst verbinde Paartherapie immer wieder mit dem Blick auf das, was Kinder beschäftigt und bewegt. Dabei nutze ich auch meine psychologischen Kinderbücher als eine Brücke zwischen dem, was in der Paartherapie entsteht, und dem was Kinder beschäftigt.
Eltern, die online paartherapeutisch mit mir arbeiten, beziehen daher häufig auch meine psychologischen Kinderbücher in den therapeutischen Prozess mit ein. So können sie wichtige Themen und Entwicklungsschritte auf kindgerechte und spielerische Weise in den Familienalltag integrieren.
Mein Buch „Ela, Elmo und die Zaubermomente“ greift bindungsbezogene Gefühle der Kinder auf: Was passiert, wenn ein Lieblingsmensch nicht da ist? Wie fühlt es sich an, jemanden zu vermissen, und wie können Kinder mit der Angst vor Trennung und dem Schmerz des Abschieds umgehen? Die Geschichte lädt Kinder dazu ein, ihre Gefühle rund um Nähe, Vermissen und Trennung besser zu verstehen und gemeinsam mit ihren Eltern darüber ins Gespräch zu kommen.
Gerade für trennungssensible Kinder kann es hilfreich sein, für diese großen Gefühle Worte und Bilder zu finden. Der kindgerechte Mitmachteil unterstützt Kinder dabei, eigene Ressourcen zu entdecken; der Fachteil für Erwachsene gibt zusätzlich Anregungen, wie Eltern Kinder begleiten können, wenn sie von einem Lieblingsmenschen getrennt sind oder sich von ihm vermissen.
Ich möchte Eltern ermutigen, trotz der Herausforderungen kreative Wege zu finden, die Partnerschaft zu stärken und gleichzeitig den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht zu werden. Online-Paartherapie bietet Eltern mit trennungsängstlichen Kindern eine wertvolle Möglichkeit, an ihrer Beziehung zu arbeiten, ohne das Zuhause verlassen zu müssen. Auch wenn es Hürden gibt, zeigt sich oft, dass Lösungen möglich sind, die für alle ein Stück mehr Stabilität und Geborgenheit bringen. Denn Kinder und Erwachsene brauchen einen sicheren Hafen.

Ela, Elmo und die Zaubermomente – Ein Kinderfachbuch über Bindung
(Illustrationen Marlene Monzel, Verlag: Mabuse)
Thematisiert: Streit der Eltern, Geschwister-Streit, Streit zwischen Erwachsenen und Kindern
Damit es Kindern und Erwachsenen in Beziehungen gut gehen kann, braucht es einen Gegenpol zu den herausfordernden, schwierigen Momenten; wir brauchen „Zaubermomente“, die uns Freude machen oder Trost spenden. Dieses Kinderbuch habe ich während der Corona-Pandemie entwickelt und verliert nicht an Aktualität. Ela und ihr Freund Elmo zeigen, dass das Zusammenleben mit anderen Menschen zauberhaft-schön sein kann. Doch auch, dass große Gefühle dazugehören, die wehtun können – zum Beispiel während oder nach einem Streit. An die Geschichte schließt ein Mitmach-Teil für Kinder an. Ein Fachteil für Erwachsene vermittelt außerdem Hintergrundwissen und gibt Anregungen, wie die Großen unterstützen können, wenn Kinder von Lieblingsmenschen verletzt wurden.


