Wie psychologische Kinderbücher eine Brücke von der Paartherapie in den Familienalltag bauen

Vielleicht ist das Wichtigste, was Kinder über Liebe lernen, nicht, wie ihre Eltern miteinander umgehen, wenn alles gut läuft.
Sondern was passiert, wenn es schwierig wird.
Wenn Mama und Papa sich streiten. Wenn jemand zu laut geworden ist. Wenn eine*r sich zurückzieht. Wenn ein Mensch traurig ist und der andere gerade selbst keine Kraft hat.
Kinder brauchen keine Eltern, die immer ruhig und gelassen miteinander umgehen.
Sie brauchen die Erfahrung: Wir können uns verlieren – und wiederfinden. Wir können traurig oder wütend sein – und trotzdem verbunden bleiben.
Vielleicht ist genau das eine der wertvollsten Lektionen über Beziehung, die wir unseren Kindern mitgeben können: Eine sichere Beziehung bedeutet nicht, dass es niemals ein Schlamassel gibt. Dass wir uns nicht auch mal gegenseitig verletzen. Vielmehr geht es darum, vorzuleben, was wir tun können, wenn Gefühle groß geworden sind und ein Vertrauensrisse entstanden ist. Und dafür können wir Hilfsmittel nutzen – wir müssen nicht alles selbst neu erfinden. Wir dürfen uns an Figuren und Geschichten orientieren, die uns zeigen, wie Beziehung auch dann gelingen kann, wenn es schwierig wird. Es gibt Kinderbücher, die genau solche Situationen aufgreifen und dabei wertvolle Begleiter sein können.
Kinder schauen dabei zu, wie wir als Eltern unsere Beziehung führen
Unsere Kinder bekommen unsere Beziehungen mit. Sie beobachten, wie Erwachsene miteinander umgehen. Sie erleben, wie wir Freude teilen, einander Trost spenden und uns vermissen. Sie sehen, wenn wir aufeinander wütend werden, uns zurückziehen und wieder aufeinander zugehen. Uns sie sehen auch, wenn tagelang eine dicke Mauer in der Partnerschaft steht.
Kinder erleben, was wir in unserer Liebesbeziehung tun:
Kann ich zeigen, dass mir der andere Mensch wichtig ist?
Kann ich für dich da sein, wenn dich etwas bewegt?
Können wir nach einem Streit wieder miteinander in Verbindung kommen?
Kann ich sagen: „Das war nicht gut von mir“?
Kann ich mich ehrlich entschuldigen?
Dass Kinder das Klima zwischen ihren Eltern miterleben, bietet eine Chance. Wir können diese Erfahrungen nutzen, um gemeinsam mit ihnen zu lernen, was es bedeutet, in Beziehung zu sein – wie wir miteinander umgehen, Konflikte bewältigen, uns wieder annähern und füreinander da sein können.
Nicht, indem wir ihnen eine perfekte Beziehung vorleben. Und auch nicht, indem wir sie in die Angelegenheiten der Erwachsenen hineinziehen. Sondern indem wir ganz unaufgeregt zur Sprache bringen, was es eigentlich herauszufinden gilt: Wie können wir alle miteinander so umgehen, dass wir uns in unseren Beziehungen wohl und sicher fühlen? Was können wir tun, wenn etwas schwierig wird?

Gemeinsam lernen: Was sind die Zutaten für glückliche Beziehungen?
Kinderbücher berühren mich persönlich bis heute genauso wie damals – vielleicht gerade deshalb, weil sie etwas schaffen, das uns Erwachsenen oft schwerfällt: Sie finden Worte für Gefühle, für die uns selbst manchmal die Sprache fehlt.
Sie holen uns aus dem Kopf und zurück zu dem, was wir im Alltag so leicht verlieren: zu unserer inneren Welt und zu dem, was uns wirklich bewegt. Sie müssen nicht alles analysieren. Sie dürfen einfach berühren.
Sie zeigen uns die Welt, wie sie ist: voller Möglichkeiten, manchmal voller Missverständnisse, und immer getragen von der Sehnsucht nach Verbundenheit.
Genau diese Erkenntnis ist das Herzstück meiner paartherapeutischen Begleitung von Eltern.
In der bindungsbasierten Paartherapie für Eltern (BPE) gehe ich davon aus:
- Wir Eltern müssen nicht perfekt sein. Kein Kinderbuchheld ist makellos, und keine Beziehung muss es sein.
- Beziehung ist ein gemeinsamer Lernraum. Genau wie der Kleine Prinz und der Fuchs dürfen wir zusammen mit unseren Kindern und als Paar tagtäglich lernen, wie Beziehungen gelingen – Orte, an denen wir uns sicher fühlen und Freude wie auch Kummer ehrlich miteinander teilen können.
- Verbindung wirkt weiter. Was wir in der Therapie über uns und unsere Partnerschaft verstehen, hört nicht an der Praxistür auf. Es zieht Kreise mitten hinein in den Familienalltag.
Ich nutze gerne die Bücher aus meinen LieblingsveVerlagen – und entwickele eigenen Kinderbücher. Meine psychologischen Kinderbücher machen wichtige Zusammenhänge über Bindung, Gefühle und Beziehung in Bildern und Geschichten greifbar. So können Kinder und Erwachsene gemeinsam entdecken, was uns verbindet, was uns Sicherheit gibt und wie wir auch nach schwierigen Momenten wieder zueinanderfinden können.
Ein Kinderbuch kann ein kleiner sicherer Hafen sein. Ein Ort, an dem unsere Gefühle einen Platz finden und wir darauf vertrauen dürfen, dass wir nach dem Sturm wieder zueinanderfinden.
Psychologische Kinderbücher können eine Paartherapie unterstützen
Psychologische Kinderbücher können eine Paartherapie auf besondere Weise begleiten: Sie übersetzen komplexe psychologische Themen in Geschichten und Bilder, über die Kinder und Erwachsene gemeinsam sprechen können.
Dabei ersetzen die Bücher keine Paartherapie. Sie können vielmehr eine Brücke zwischen dem Therapieraum und dem Familienalltag sein.
Denn neue Erfahrungen in der Beziehung finden nicht nur in der Paartherapie statt. Sie finden jeden Tag statt – beim gemeinsamen Frühstück, beim Abschied, beim Wiedersehen, wenn wir streiten und wenn wir danach wieder aufeinander zugehen.
Geschichten über wichtige Erfahrungen in Beziehungen
Meine psychologischen Kinderbücher sind aus der Begleitung von Paaren in der bindungsbasierten Paartherapie für Eltern (BPE) entstanden. Jedes Buch greift einen anderen Aspekt von Beziehung auf.

Ela, Elmo und die Zaubermomente – Ein Kinderfachbuch über Bindung
(Illustrationen Marlene Monzel, Verlag: Mabuse)
Warum uns unsere Lieblingsmenschen so wichtig sind
In Ela, Elmo und die Zaubermomente geht es um Bindung – und darum, warum bestimmte Menschen für uns besonders wichtig werden. Unser Bindungssystem hilft uns dabei, die Nähe zu unseren Lieblingsmenschen zu suchen und zu erhalten. Deshalb können wir uns besonders freuen, wenn sie da sind, und besonders stark reagieren, wenn sie fehlen oder wir uns von ihnen getrennt fühlen. Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene.
Auch in einer Paarbeziehung kann es schmerzhaft sein, wenn Nähe fehlt. Manchmal leben zwei Menschen im selben Haus und fühlen sich trotzdem weit voneinander entfernt.
Die Geschichte von Ela und Elmo lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, über Bindung, Nähe, Vermissen und die kleinen Momente zu sprechen, die uns miteinander verbinden.

Mona und die magische Gefühlsleiter – Emotionsregulation und körperliche Regulation zauberhaft erklärt
(Illustrationen Marlene Monzel, Verlag: Ernst-Reinhardt)
Wenn Gefühle im Streit ganz groß werden
Wenn wir uns streiten, reagieren wir manchmal stärker, als wir eigentlich möchten. Wir werden laut. Wir ziehen uns zurück. Wir wollen nur noch weg. Oder wir finden plötzlich keine Worte mehr.
Was passiert da eigentlich in uns? Dieses Buch liegt mir besonders am Herzen, weil es die körpereigenen Bewältigungsstrategien von Kindern und Erwachsenen zeigt: Im Buch erklärt Onkel Merlin aus dem Zauberladen dem Mädchen Mona, mit einfühlsamen Metaphern und einer „Gefühlsleiter“, was bei einem Streit in ihr vorgeht und was helfen kann.
Mona und die magische Gefühlsleiter hilft Kindern und Erwachsenen, innere Zustände und Stressreaktionen besser zu verstehen. Das kann auch für Elternpaare hilfreich sein. Denn wenn wir verstehen, was in uns geschieht, wenn unser inneres Alarmsystem aktiviert ist, können wir leichter unterscheiden: Was brauche ich gerade? Und was braucht mein Gegenüber? So kann eine gemeinsame Sprache für Gefühle und Stress entstehen.

Jimmy und die Reparinos – Ein Kinderfachbuch über Konfliktlösung und Vertrauen
(Illustrationen Franziska Zahn, Verlag: Mabuse)
Wie kann Vertrauen wieder wachsen?
Auch in liebevollen Beziehungen verletzen Menschen einander. Ein harter Satz. Ein Rückzug ohne Worte. Ein gebrochenes Versprechen.
Es ist eine wichtige Erfahrung für Kinder und Erwachsene: Beziehungen müssen nicht reibungslos ablaufen, um sicher sein zu können. Entscheidend ist, was nach einem bedauerlichen Vorfall passiert.
Jimmy und die Reparinos erzählt eine Geschichte von Freundschaft und davon, wie Vertrauen repariert werden kann, wenn es Schaden genommen hat. Wie können wir Verantwortung übernehmen? Wie können wir zeigen, dass uns die Beziehung wichtig ist? Und wie kann Vertrauen Schritt für Schritt wieder wachsen? Die ganze Familie findet Anregungen dazu im Buch.
Warum Geschichten helfen können
Ich vermute, beim Lesen ist meine ganz persönliche Begeisterung für Kinderbücher bereits deutlich geworden – besonders für liebevoll illustrierte Bilderbücher.
Meine eigenen Kinder sind längst aus dem Bilderbuchalter herausgewachsen. Und trotzdem zieht es mich noch immer in Kinderbuchabteilungen. Am liebsten entwickle ich selbst psychologische Kinderbücher, die fachliche Inhalte in berührende Geschichten und viele bunte, liebevoll gestaltete Bilder übersetzen.
Warum?
Weil ein Bild uns manchmal anders erreicht als Worte. Ein Bild kann etwas sichtbar machen, für das uns gerade die Worte fehlen. Ein Bild kann sagen:
Vielleicht geht es dir gerade auch so.
Bilder können Gefühle zeigen, die schwer zu erklären sind. Über sich selbst zu sprechen, ist manchmal gar nicht so leicht. Die Figuren in einer Geschichte können hier helfen.
Ein Kind kann fragen:
„Warum ist Ela so traurig?“
„Was passiert gerade mit Mona?“
„Was könnte Jimmy jetzt machen?“
Und plötzlich sprechen wir über etwas, das wir vielleicht auch in unserer eigenen Familie erleben.
Eine Geschichte schafft einen kleinen Abstand zum eigenen Erleben. Wir schauen zunächst auf die Figuren mit ihrem quirligen, liebenswürdigen und manchmal schrägen Eigenheiten – und entdecken dabei vielleicht etwas von uns selbst. So können Geschichten Worte und Bilder für Erfahrungen geben, die vorher nur als vages Erleben da waren. Vielleicht ist es das, was psychologische Kinderbücher im Kern vermitteln:
Du darfst fühlen, was du fühlst. Das, was gerade ist, darf sein. Und du bist nicht allein damit.
Die Kinder müssen nicht die Paartherapie verstehen
Die Verantwortung für die Paarbeziehung bleibt bei den Erwachsenen. Kinder müssen nicht wissen, worüber ihre Eltern in der Paartherapie sprechen. Kinder dürfen Kinder sein – und darauf vertrauen, dass die Erwachsenen sich um ihre Beziehung kümmern. Und gleichzeitig dürfen sie erleben, dass auch Erwachsene lernen und sich stetig weiterentwickeln. Dass Gefühle einen Platz haben. Dass Konflikte nicht automatisch das Ende von Nähe bedeuten. Dass man einen Fehler machen und Verantwortung dafür übernehmen kann. Und dass Menschen nach schwierigen Momenten wieder aufeinander zugehen können.


