
Es gibt Abschiede, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Der Abschied von einem Sternenkind ist so einer.
Vielleicht sitzt ihr gerade vor einem Blatt Papier und versucht, Worte für euer Kind zu finden. Für die Trauerfeier. Für einen Brief. Für ein Abschiedsritual.
Vielleicht sucht ihr deshalb nach ein paar Zeilen – einem Satz oder einem Spruch, der etwas ausdrückt.
Viele Paare, die mir begegnet sind, haben berichtet, dass sie gerade in solchen Momenten bemerkt haben: Es gibt da draußen eigentlich keine Worte, die beschreiben könnten, was passiert ist und was man fühlt.
Und überhaupt: Wie soll man von einem Kind erzählen, dessen Leben so kurz war und das trotzdem schon so viel Platz im Herzen, in den eigenen Gedanken und Träumen hatte?
Aber vielleicht braucht es gar nicht die richtigen Worte. Vielleicht braucht es eure.
Auch wenn es uns manchmal anders vermittelt wird – und ich viele Geschichten gehört habe, wie zum Beispiel in Arztpraxen mit einem solchen Verlust umgegangen wurde: wenn von „Gewebe“ gesprochen wurde oder vermittelt wurde, man solle doch froh sein, dass es so früh passiert ist; wenn Verwandte nicht fragen, wie es einem geht, sondern man den Eindruck bekommt, als wäre für sie überhaupt nichts passiert:
Euer Sternenkind ist ein Teil eurer Geschichte.
Ihr habt euch auf dieses Kind gefreut. Vielleicht habt ihr einen Namen ausgesucht, Pläne gemacht, euch vorgestellt, wie euer Leben mit ihm aussehen würde.
Die Frage ist deshalb nicht nur: Wie verabschieden wir unser Kind?
Vielleicht geht es auch um die Frage: Welche Worte finden wir, die ausdrücken, dass dieses Kind bei uns bereits einen Platz hatte – und in unserer Geschichte einen Platz bekommen darf?
Wie verabschiedet man sich von einem Sternenkind?
Es ist wunderbar zu sehen, dass viele Eltern eben nicht so tun wollen, als sei nichts passiert. Wenn eine Trauerfeier oder Beerdigung bevorsteht, beschäftigen sich Eltern eines Sternenkindes mit der Frage, wie dieser Abschied aussehen darf, was sie sagen möchten und wie sie ihrem Kind einen Platz geben können – auch wenn dieser Abschied viel zu früh kommt.
Es gibt nicht den einen richtigen Weg, sich von einem Sternenkind zu verabschieden.
Manche Eltern wünschen sich eine Beerdigung oder Trauerfeier. Andere möchten zu zweit oder nur mit den Geschwisterkindern Abschied nehmen. Manche schreiben einen Brief, entzünden eine Kerze oder schaffen einen persönlichen Erinnerungsort. Andere möchten zunächst gar nichts gestalten und brauchen Zeit, bevor sie überhaupt wissen, was sich richtig anfühlt.
Ein persönlicher Abschied muss nicht groß sein. Er muss zu euch passen.
Rituale können dabei helfen, der Trauer eine Form zu geben und die Verbindung zum verstorbenen Kind sichtbar zu machen. Sie können religiös sein, müssen es aber nicht. Auch ein persönliches Ritual zu Hause kann bedeutsam sein.
Vielleicht ist deshalb die wichtigere Frage nicht:
„Was macht man bei einem Sternenkind?“
Sondern: „Was würde sich für uns als Abschied stimmig anfühlen?“
Nichts davon ist eine Pflicht. Ihr dürft euch Zeit lassen und euren eigenen Weg finden.
Auch wenn Eltern die Worte fehlen, hat ihr Sternenkind längst einen Platz in ihrem Herzen.
Worte für den Abschied von einem Sternenkind finden – für die Trauerfeier oder Beerdigung eines Sternenkindes
Für eine Trauerfeier oder Beerdigung suchen Eltern nach Antworten auf die Frage: Was können wir über unser Kind sagen?
Ich denke, ihr müsst nicht versuchen, alles zu erzählen oder die richtigen Worte für den gesamten Abschied zu finden.
Vielleicht könnt ihr euch zunächst von eurem Herzen leiten lassen und klein beginnen.
Drei Fragen können dabei helfen:
Erstens: Worauf haben wir uns mit unserem Kind gefreut?
Denkt an das, was ihr euch vorgestellt habt. An gemeinsame Pläne, kleine Alltagsmomente oder Dinge, auf die ihr euch besonders gefreut habt. Vielleicht habt ihr euch ausgemalt, wie es sein würde, euer Kind im Arm zu halten, ihm etwas zu zeigen oder gemeinsam als Familie zu sein.
Zweitens: Was haben wir schon miteinander erlebt?
Auch wenn die gemeinsame Zeit kurz war, habt ihr vielleicht schon vieles mit eurem Kind verbunden. Wo war es schon Teil eures Lebens? Welche Orte, Momente oder kleinen Dinge gehören zu eurer gemeinsamen Geschichte? Vielleicht habt ihr mit ihm gesprochen, einen Namen ausgesucht, ein Kinderzimmer vorbereitet oder es in Gedanken schon überallhin mitgenommen.
Drittens: Was möchten wir unserem Kind noch sagen?
Vielleicht gibt es Worte, die ihr eurem Kind noch mitgeben möchtet. Etwas, wofür ihr dankbar seid. Etwas, das ihr ihm sagen wollt. Vielleicht ein „Ich liebe dich“, ein „Du gehörst zu uns“ oder einfach das, was gerade aus eurem Herzen kommt.
Ihr müsst dabei nicht sofort einen Text schreiben. Vielleicht entsteht zunächst nur ein Satz. Dann noch einer. Und vielleicht wird daraus irgendwann ein kleiner Text.
Es gibt keine Worte, die den Verlust ungeschehen machen können. Aber eure Worte können erzählen, wer euer Kind für euch war und welchen Platz es bei euch behalten wird.
Sternenkind-Sprüche: Wenn ein „fertiger Satz“ Halt gibt
Manchmal ist es hilfreich, einen „fertigen Satz“ zu finden. Das ist oft dann der Fall, wenn die Trauer gerade so groß ist, dass die eigenen Worte nicht erreichbar sind. Oder wenn es uns ohnehin schwer in Worte zu fassen, wie es uns geht, wenn wir uns traurig fühlen.
Vielleicht findet ihr einen Satz, der genau das ausdrückt, was ihr selbst gerade nicht sagen könnt. Das kann ein klassischer Trauerspruch sein oder genauso gut eine Zeile aus einem Lieblingsbuch, einem Film, einem Lied oder ein Satz, der euch schon lange begleitet.
Nehmt euch ruhig einen Moment Zeit, um euch zu erinnern: Welche Musik hat euch in eurem Leben schon einmal besonders berührt? Gibt es ein Lied, das euch durch eine schwierige Zeit begleitet hat? Vielleicht gab es auch während der Schwangerschaft mit eurem Sternenkind ein Lied, das ihr immer wieder gehört habt oder das für euch eine besondere Bedeutung bekommen hat. Oder erinnert ihr euch an einen Film, eine Filmszene oder einen Satz, der euch tief bewegt hat?
Gerade in Liedern und Filmen begegnen uns manchmal Worte, die etwas in uns berühren und ausdrücken, was wir selbst noch nicht greifen können. Vielleicht ist es eine Liedzeile, bei der uns die Tränen kommen, weil sie etwas trifft, das tief in uns liegt. Oder ein Satz, der uns das Gefühl gibt, dass jemand versteht, wie es uns gerade geht.
Ein Brief an das Sternenkind: Was wollt ihr eurem Kind noch sagen?
Wenn wir über Worte für Sternenkinder sprechen, übersehen wir manchmal beinahe etwas Wichtiges: Manchmal gibt es etwas, das ihr selbst eurem Kind noch sagen möchtet.
Ein Brief kann eine Möglichkeit sein, diese Worte zu finden. Dabei muss dieser Brief weder schön noch vollständig sein. Ihr könnt einfach anfangen mit:
„Liebe/r …“ oder „Hallo ….“
Und dann schreiben, was gerade da ist.
Vielleicht:
„Wir hätten dich so gerne kennengelernt.“
„Wir vermissen dich.“
„Wir wissen noch nicht, wie es weitergehen soll.“
„Wir wünschen uns, dass du einen Platz in unserer Familie behalten darfst.“
Vielleicht melder sich in euch dann eine Traurigkeit. Oder Wut. All das ist ok.
Ein Brief muss nicht fertig werden. Er muss niemandem vorgelesen werden. Er kann aufbewahrt werden, darf Teil einer Abschiedszeremonie werden oder einfach nur für euch sein. Ich glaube, es macht Sinn, wenn ihr nicht schreibt, was „man schreiben sollte“. Schreibt, was ihr eurem Kind sagen möchtet.

Was sagen wir einem Geschwisterkind über das Sternenkind?
Wenn bereits ein Kind oder mehrere Kinder zur Familie gehören, kommt häufig eine weitere Frage hinzu: Wie erzählen wir unserem Kind von seinem verstorbenen Geschwister?
Kinder dürfen wissen, dass dieses Sternenkind zu ihrer Familie gehört. Und sie dürfen auf ihre ganz eigene Weise eine Verbindung zu ihm entwickeln. Eine Möglichkeit können dabei die „Zaubermomente“ sein. In meinem Kinderbuch über Bindung „Ela, Elmo und die Zaubermomente“ geht es darum, was passiert, wenn ein für uns bedeutsamer Mensch geht. Es geht darum, was passiert, wenn uns ein Mensch fehlt – und wie wir mit diesem Vermissen umgehen können.
„Zaubermomente“ sind dabei besondere Augenblicke, die uns mit einem Menschen verbinden. Kleine Momente von Nähe, Unterstützung, geteilter Freude oder geteiltem Kummer, die wir bewahren und immer wieder hervorholen können, wenn wir jemanden vermissen. Dafür kann man gemeinsam einen Zauberbeutel gestalten: Einen Beutel, in dem kleine Zettel mit solchen Zaubermomenten gesammelt werden. Das kann auch für das Vermissen eines Sternenkindes eine schöne Möglichkeit sein.
Vielleicht schreibt das Geschwisterkind selbst einen Moment auf, den es mit seinem Sternengeschwister verbindet. Vielleicht gibt es aber auch noch gar keine eigenen Erinnerungen – und genau dann dürfen die Erwachsenen helfen. Sie können von Momenten erzählen, die sie selbst mit dem Sternenkind verbunden haben: von der Vorfreude auf seine Ankunft, von einem Namen, der ausgesucht wurde, von einem Ultraschallbild, von einem besonderen Gedanken, einem Traum oder einem Moment, in dem sie sich ihrem Kind besonders nah gefühlt haben. Vielleicht möchte euer Kind selbst einen Zaubermoment hineinlegen. Vielleicht möchte es nur zuhören, wenn ihr von eurem Sternenkind erzählt. Und vielleicht möchte es den Beutel eine Zeit lang gar nicht anschauen. Auch das ist völlig in Ordnung.
Und vielleicht ist genau das für ein Geschwisterkind besonders wertvoll: Es muss sein Sternengeschwister nicht gekannt haben, um eine Verbindung zu ihm entstehen zu lassen. Manchmal können wir Erwachsenen dabei helfen, diese Verbindung mit kleinen Geschichten und Zaubermomenten wachsen zu lassen.

Wie können wir als Paar gemeinsame Worte für unser Sternenkind finden?
Vielleicht ist das gar nicht so einfach, denn ihr trauert möglicherweise ganz unterschiedlich.
Einer möchte über euer Kind sprechen und immer wieder seinen Namen nennen. Die andere Person hält das gerade kaum aus. Eine*r möchte eine große Trauerfeier, der andere einen Abschied im kleinen Kreis. Eine*r hat schon Worte gefunden, während die andere Person gerade so viel Leere spürt.
Das bedeutet nicht, dass eine*r von euch mehr oder weniger Kummer spürt. Und es bedeutet auch nicht, dass einer von euch sein Kind mehr oder weniger liebt.
Vielleicht geht es vielmehr darum, einen Satz zu finden, in dem ihr beide Platz habt.
Zum Beispiel:
„Wir möchten, dass unser Kind immer zu unserer Familie gehört und wir wissen manchmal noch nicht, wie wir darüber sprechen können.“
All das darf nebeneinanderstehen.
Denn hinter unterschiedlichen Reaktionen steckt oft mehr, als man auf den ersten Blick sieht: Hinter Rückzug kann Überforderung stehen. Hinter dem Bedürfnis zu sprechen die Sehnsucht nach Nähe. Und hinter einem Streit der Versuch, mit einem kaum auszuhaltenden Schmerz zurechtzukommen.
Ihr müsst nicht auf dieselbe Weise trauern. Aber ihr könnt versuchen, euch in eurer unterschiedlichen Trauer nicht zu verlieren.
Wenn das allein schwerfällt, kann Paarbegleitung helfen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und füreinander erreichbar zu bleiben.
Worte finden, wo es schwer wird – Paartherapie kann ein Weg sein
Seit vielen Jahren begleite ich als Psychologin und Paartherapeutin Elternpaare in herausfordernden Phasen ihres Familienlebens. Immer wieder erlebe ich, wie sich hinter Rückzug, Wut, Sprachlosigkeit oder Streit Gefühle verbergen, für die die Worte fehlen.
Auch nach dem Verlust eines Sternenkindes begleite ich Paare. Dabei gibt es keinen richtigen Weg durch eine solche Trauer. Ich wünsche mir, dass diese Haltung in meinem Text für euch deutlich geworden ist: dass jeder Mensch seinen eigenen Weg in der Trauer gehen darf und dass es gleichzeitig möglich ist, als Paar verbunden zu bleiben. In der Paartherapie schaue ich gemeinsam mit Eltern darauf, wie jede und jeder mit dem Verlust umgeht – und was dadurch vielleicht schwer geworden ist.
Wir geben dem Raum, was oft wenig Platz findet: der Liebe zum Sternenkind, unterschiedlichen Formen der Trauer, Schuldgefühlen, Wut und Sprachlosigkeit. Und wir sprechen darüber, wie ein Sternenkind Teil der Familiengeschichte bleiben kann.
Manchmal entsteht Verbindung gerade dort, wo ein Paar beginnt, Worte für das zu finden, was es gemeinsam und doch auf so unterschiedliche Weise erlebt hat. Wo die eigene Trauer neben der des anderen stehen darf und beide einander wieder besser verstehen können.
Als betroffene Eltern möchte ich euch sagen: Euer Kind darf einen Platz in eurer Geschichte haben. Und ihr dürft Schritt für Schritt lernen, diese Geschichte gemeinsam zu tragen – mit allem, was fehlt, und mit der Liebe, die bleibt.
Häufige Fragen zum Abschied von einem Sternenkind
Wie verabschiedet man ein Sternenkind?
Es gibt keinen allgemein richtigen Weg, sich von einem Sternenkind zu verabschieden. Ein Abschied kann durch eine Beerdigung oder Trauerfeier, einen Brief, ein persönliches Ritual, eine Kerze, einen Erinnerungsort oder eine andere Form des Gedenkens gestaltet werden. Entscheidend ist, dass der Abschied zu euch, eurem Kind und eurer Situation passt.
Welche Worte kann man zum Abschied eines Sternenkindes sagen?
Es müssen keine besonderen oder perfekten Worte sein. Ihr könnt den Namen eures Kindes nennen, von eurer Vorfreude erzählen, eure Liebe ausdrücken oder sagen, wie traurig ihr euch fühlt. Manchmal ist ein persönlicher Satz sehr wertvoll. Ein Trauerspruch kann insbesondere dann Halt geben, wenn es gerade schwer ist, eigenen Worte zu finden – was völlig in Ordnung ist.
Welche Sprüche passen, wenn man Worte sucht für den Abschied von einem Sternenkind?
Kurze Sätze wie „Du gehörst zu uns“ oder „Du wirst immer Teil unserer Familie sein“ können Worte für einen Abschied sein. Manchmal finden Eltern hilfreiche Worte in eigenen Lieblingsliedern.
Was hilft, wenn man einen Brief an ein Sternenkind schreiben möchte?
Ihr könnt mit dem Namen eures Kindes beginnen und einfach aufschreiben, was ihr ihm noch sagen möchtet: worauf ihr euch gefreut habt, was ihr euch für euer gemeinsames Leben gewünscht habt, was ihr vermisst oder welchen Platz euer Kind in eurer Familie haben soll. Der Brief muss nicht perfekt sein und muss niemandem vorgelesen werden.
Was können Eltern tun, wenn sie unterschiedlich um ihr Sternenkind trauern?
Eltern können sehr unterschiedlich trauern, ohne dass einer von beiden weniger liebt oder weniger um das Kind trauert. Es kann helfen, die unterschiedlichen Reaktionen nicht als Zeichen mangelnder Nähe zu verstehen, sondern neugierig darauf zu werden, was hinter dem jeweiligen Verhalten und den unterschiedlichen Bedürfnissen steckt.
Wenn gerade die Kraft fehlt, kann man auch später noch einen schönen Abschied von einem Sternenkind gestalten?
Ja. Ein persönlicher Abschied oder ein Ritual kann auch Wochen, Monate oder Jahre später entstehen. Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem es „zu spät“ wäre, dem eigenen Kind einen bewussten Platz in der Familiengeschichte zu geben.
Wo finden Eltern Unterstützung nach dem Verlust eines Sternenkindes?
Unterstützung können unter anderem Hebammen, Seelsorge, spezialisierte Trauerbegleiter:innen, Familienberatungsstellen sowie psychotherapeutische oder paartherapeutische Angebote geben. Welche Unterstützung passend ist, hängt von eurer persönlichen Situation und euren Bedürfnissen ab.


